1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Rennen – und alles an einem Tag. Bis vor einem Jahr war dieses Unterfangen für mich noch in weiter Ferne. Als Neueinsteiger im Triathlonsport, war es für mich kaum vorstellbar eine solche Tortur an einem Tag durchstehen zu können.

Und doch stehe ich am 10. Juni 2018 am Start meiner ersten Mitteldistanz in Rapperswil Jona. Meine Ausdauerfähigkeit hat in den letzten Monaten riesige Fortschritte gemacht, die Vorstellung eine solche Distanz zurücklegen zu können war für mich Wirklichkeit geworden. Jetzt ging es nur noch um die Umsetzung.

Zusammen mit Oliver Fischer und Martin von Matt geht es am Vortag zum Check-in. Ich bin froh, dass ich auf die Unterstützung meiner erfahrenen Kollegen vom Triamt zählen kann. Sie nehmen mir die Nervosität in den letzten Stunden vor dem Start und geben mir letzte Ratschläge, die sich noch als nützlich erweisen werden.

Um 8.25 Uhr geht es los! Zusammen mit 50 weiteren Age Groupern meiner Alteskategorie geht es in 4er-Gruppen ins unüblich warme Wasser des Obersees. Bereits jetzt liegt das Thermometer bei angenehmen 18 Grad.

Noch einmal steigt in mir die Nervosität, doch mit dem Startsignal verfliegt dieses und es zählt nur noch eins: So schnell wie möglich ins Ziel kommen.

Ich springe ins Wasser und meine Reise beginnt. Nichts neues eigentlich, gehe ich doch bereits seit Wochen im Türlersee Schwimmen um mich an die Distanz zu gewöhnen. Doch im Wettkampf ist es trotz aller Übung ein neues Gefühl. Ich bin froh bereits im Vorjahr Erfahrung mit solchen Situationen über die olympische Distanz gesammelt zu haben. So weiss ich mit solchen hektischen Situationen umgehen zu können.

Nach 37 Minuten verlasse ich das Wasser und begebe mich zur Wechselzone. Ich schnappe mir mein Tri-Bike und los geht die 90 Kilometer lange Fahrt. 1’100 Höhenmeter gilt es zu überwinden, doch mit zwei rasanten Abfahrten behält man trotz steilem Anstieg ein unüblich hohes Durchschnittstempo.

Auf den ersten Kilometern muss ich mich vom Wechsel aufs Rad etwas erholen. “Ja nicht zu viel Gas geben”, denke ich mir, “sonst bezahlst du das spätestens auf der Laufstrecke”. Ich folge dem Rat, den mir Oli gegeben hat und bleibe in der ersten Runde im grünen Bereich.

Bereits in der zweiten Runde ernte ich die Früchte dieser Taktik. Bereits jetzt haben sich einige überschätzt und ich hole diese wieder ein. Nun beginnt die Hitze zu brennen. Auf dem weg nach Goldigen über “The Beast” spüre ich leichte Kopfschmerzen die sich anschleichen.

Ich habe womöglich zu wenig getrunken. Über die nächsten Kilometer versuche ich so viel wie möglich zu trinken um den Druck auf meiner Stirn entgegen zu wirken – und es wirkt.

Nach 2 Stunden 47 Minuten bin ich zurück in der Wechselzone und bin wieder top fit. Schnell stelle ich mein Rad hin und schnappe mir meine Laufschuhe.

Eigentlich meine Paradedisziplin, doch genau hier konnte ich mich während den letzten Monaten kaum verbessern. Meine schnellen Fortschritte hatten sich bemerkbar gemacht. “Dehnen ist etwas für Anfänger”, doch zeigte sich das der Anfänger doch eher ich selbst war.

Lange war ich mir daher unsicher, ob ich überhaupt starten könnte. Doch die Situation beruhigte sich dementsprechend und ich konnte den Halbmarathon schmerzfrei geniessen.

Mit Temperaturen weit über der Komfortzone weiss ich, dass ich regelmässig zu Wasser und Iso-Getränken greifen muss um diesen Lauf problemlos überstehen zu können. Ich zwinge mich in der Folge bei jeder Aid Station einen Becher Wasser zu trinken. Es wirkt! Ich komme mit den Temperaturen zurecht und bewege mich Schritt für Schritt Richtung Ziel.

Das ich keine Bestzeiten rennen werde, mit dem habe ich mich bereits abgefunden. Trotz allem möchte ich so schnell wie möglich ins Ziel kommen. In Schwierigkeiten gerate ich nicht. Bereits bei Kilometer 6 wird mir klar, dass ich das Ziel problemlos erreichen werde.

Die Triämtler Unterstützung am Rande der Strecke beflügelt mich in den letzten Kilometern ins Ziel. “Gsehd guet us”, heisst es vom Streckenrand.

Auf dem letzten Kilometer höre ich plötzlich von hinten eine mir bekannte Stimme herannahen. Oli hat mich eingeholt und lockt aus mir die letzten Energiereserven. “Rennemr zemme?”, frage ich ihn und  wir laufen gemeinsam die letzten paar Hundert Meter dem Ziel entgegen.

Ich hatte damit gerechnet, dass Oli mich irgendwann einholen wird, doch so wenige Meter vor Schluss: Der Moment hätte nicht besser gewählt sein können.

Kurz vor 14 Uhr kommt es zum Zieleinlauf der beiden Triämtler.  Für den einen ist es eine Premiere, für den anderen ist es bereits Routine geworden.

Von Rookie bis alt eingesessenen Triathleten: Beim Triamt treffen sich bereits seit 25 Jahren die Athleten aus allen Leistungsbereichen und trainieren gemeinsam ihren individuellen Zielen entgegen.