Start in Grächen. Heute müssen wir es etwas langsamer angehen lassen. Ich kann nicht mehr. (Aber andere noch weniger: Nach gestern haben 8 Teams aufgegeben.) Zuerst warten wieder 200 Hm auf uns, zwecks natürlicher Selektion in den ersten Downhill. Die ersten 100 Hm mit 10%, die anderen 100 Hm mit 25% Steigung. Ich habe keine Lust, mich schon zu Beginn kaputt zu machen und schiebe am Schluss. Nico zieht es durch, und zwischen uns sind etwa 20 Sekunden und 6 Fahrer, als es in den Downhill geht. Am Ende des Downhills werden es immernoch 6 Fahrer, aber 3 Minuten sein! Es gibt Leute, denen ist es egal, wenn sie eine halbe Stunde lang dutzende Biker mit ihrer fahrerischen Inkompetenz aufhalten. Zudem sind sie noch taub für (nicht allzu nette) Zurufe. Ich habe nicht gewusst, dass ich downhill einen solch hohen Puls haben kann!

Heute führt uns die Etappe in einem Rundkurs über Saas-Fee und Stalden wieder zurück nach Grächen. Es ist ziemlich kühl aber trocken. Wenigstens von oben, aber der Boden ist feucht. Wir erleben viele heikle Situationen auf nassen Felsen, nassen Wurzeln, nassem Gras. Manchmal sind es Bruchteile von Sekunden auf der Bremse und wenige Zentimeter links oder rechts des Vorderrads, die über Sein oder Nichtsein entscheiden. Oft sind die Trails so schmal, dass ich sehr froh bin, einen schmalen Lenker zu haben. Trotzdem schlage ich mit Armen und Schultern zweimal an Bäumen an. Auch bezüglich Wendigkeit kommt Nico und mir heute zugute, dass wir die einzigen beiden überhaupt sind, die noch 26 Zoll fahren. (Auch wenn ich nur zur Hälfte, da ich Gabel und Vorderrad auf 27.5″ gewechselt habe.) sonst fahren ca. 60% 27.5″ und 40% 29″. 55% fahren Scott, 40% Specialized, der Rest irgendwas anderes. 100% fahren Carbon. In diesem Sport geben die Leute fast so viel aus wie im Triathlon.

Gegen 1400, nach knappen sechs Stunden, kommen wir ins Ziel. Heute ging es irgendwie schnell vorbei, auch wenn wir die letzten 200 Höhenmeter ins Dorf schieben mussten, so steil war der Trail. Ich glaube nicht, dass das irgendwer hat fahren können – nicht einmal ein Profi.
Dann das alltägliche Ritual: 1415 duschen, 1445 Spaghetti essen, 1530 Massage, 1615 schlafen, 1715 Bike waschen, 1800 Raclette essen (muss sein, wir sind ja schliesslich im Wallis!), 1830 Bike beim Scott-Stand abholen (neue Bremsbeläge), 1845 Sachen für morgen bereitmachen, 1930 Apéro mit Bruno, Salvatore, Leo und Duncan (Freundschaften, die wir in der Swiss Epic geschlossen haben), 2000 essen, 2130 Blog schreiben, 2200 Lichterlöschen. Gute Nacht!