Heute wird es schwierig. Alleine die Wettervoraussichten stellen uns vor schwierige Entscheidungen: Der Föhn wird vormittags noch für warme Temperaturen sorgen, irgendwann nach dem Mittag bricht er aber zusammen, und dann beginnt starker Regen, begleitet von einem massiven Temperatursturz. Also nehmen wir je einen kleinen Rucksack mit Regenzeug mit auf 92 km und 3100 Höhenmeter.

Heute ist etwas Renntaktik gefragt. Kurz nach dem Start geht es schon wieder in eine erste kleine Steigung von 200 Hm. Wir geben guzzi, damit wir in den Downhill-Trails runter nach Turtmann vorne mit dabei sind und nicht in einen Stau geraten. Unten im Tal wartet eine Rollerstrecke von knapp 30 km der Rhone entlang nach Brig, und da müssen wir uns einem “Zug” anhängen können, um im Windschatten Energie sparen zu können. Es gelingt uns. Der Downhill ist wiederum extraklasse, oben mit felsigen Stufen durchsetzt, unten mit engen Haarnadeln, aber immer recht flowig. Unten hängen wir uns an eine sehr starke 6er-Gruppe an, und wir müssen echt aufpassen, dass wir nicht abreissen lassen, so stark fahren die zwei vorne. Es sind Profis, die (wie übrigens viele andere auch) einen Platten hatten und deshalb soweit hinten sind. Bei stürmischem Föhn (ca. 30 km/h Gegenwind) fahren wir 30 km/h schnell! Ich fahre im roten Bereich, nur um dranbleiben zu können! Die Temperatur beträgt übrigens knapp 30 Grad.

Als wir in die 1700 Hm lange Steigung bei Brig einfahren sind wir bereits wider voll am Ende. Das wird noch ein sehr, sehr langer Tag werden. Endlos lange fahren wir bergauf, versuchen zu essen und uns etwas zu erholen. Nach eineinhalb Stunden hört auf einmal die Strasse auf, und dann geht es in die letzten 200 Hm dieses Aufstiegs: ein Trail, der, auch wenn er flach wäre, schwierig zu fahren wäre, durchsetzt mit Passagen von 30% Steigung! Man kann wählen zwischen Wadenkrämpfen beim Schieben oder Herzinfarkt beim Fahren.

Dann werden 1500 Hm wieder vernichtet bei einer endlosen Abfahrt nach Stalden. Es ist wieder ein supergeiler Trail, und eigentlich würde man sich wünschen, dass er niemals endet… Aber irgendwann krampfen nicht nur meine Finger, sondern so ziemlich alles. Ich frage mich, wie lange die Bremsen noch halten, oder ob sie gleich zu einem einzigen Klumpen verschmelzen. Die Dinger müssen 1000 Grad heiss sein. Wenn es Nacht wäre, könnte man sie glühen sehen! Hoffentlich sind wir bald unten! Aber ich will nicht jammern, denn bis jetzt hat der Föhn gehalten. Nicht auszudenken, diese Abfahrt bei Regen!

Wir kommen zur letzten Service-Station und tanken nochmals auf. Ich spüle einen roten Sponser-Gel mit einem Becher Bouillon hinunter – ein ganz spezielles Geschmackserlebnis! Nur noch 1000 Hm ins Ziel. Es wird eine sehr zähe Stunde. Am Ende bricht der Föhn zusammen, und wir fahren die letzten zehn Minuten im Regen und bei Kälte. Keine Zeit, noch die Regensachen anzuziehen. Lohnt sich nicht. Haben wir halt den ganzen Tag die Sachen spazieren geführt… Im Ziel halten wir erst gar nicht an. Nichts wie ins Hotel, wo unsere Taschen schon auf uns warten (super Logistik!), duschen, essen, Massage, schlafen, Bike waschen, essen, schlafen. Bis morgen um 0800, dann gehts auf die nächsten 88 km und 3300 Hm. Hell…