Ich habe mich selten so schlecht gefühlt, wie gestern abend und heute morgen, als um 0600 der Wecker geht. Ich sitze zuerst 5 Minuten auf dem Bettrand und versuche mich irgendwie zu motivieren, aufzustehen. Die Erholung gestern Abend war alles andere als optimal. Wir haben zwar im Hotel zum Zvieri Spaghetti gegessen, aber die Portion war eher für Kinder. Und die Zeit, um noch in den Supermarkt zu gehen, um eigene Getränke und Food zu kaufen, hatten wir nicht. Das Abendessen im Hotel bestand aus Salat zur Vorspeise und mit Fleisch gefüllten Kartoffeln als Hauptgang. Nicht viel Energie.

Aber die Massage hat gut getan. Eine halbe Stunde ist geradezu Luxus, wenn man bedenkt, dass vor dem Massagezelt im Ziel die Leute bis zu zwei Stunden lang anstehen, um in den Genuss einer 10-minütigen Massage zu kommen! Da macht sich das Heaven-Paket wirklich bezahlt.

Am Frühstück versuche ich noch so viel wie möglich zu essen, aber auf flauen Magen ist das kein leichtes Ding. Eineinhalb Stunden später stehe ich am Start. Wenigstens das Wetter hat Erbarmen mit uns: Der Föhn hält den Regen auf. Startschuss. Es geht ab wie d Schiissi. Zuerst etwas bergab, aus dem Dorf hinaus, dann in die erste Steigung von 1000 Hm! Nico hat gute Beine und zieht an vielen Konkurrenten vorbei, während mir noch immer etwas übel ist und ich grosse Mühe habe, ihm zu folgen. Aber er hat recht: Oben mündet die Strasse in einen schmalen Trail, und wenn wir da Leute vor uns haben, die, sagen wir mal technisch nicht so begabt sind, dann stehen wir an und können kaum überholen. Und viele dieser Leute sind dann leider zudem noch selektiv taub für Rufe wie “Achtung links” oder “Chasch eus bitte mal churz verbii la!?”.
Und wir schaffen es. Haben niemanden direkt vor uns und freie Fahrt auf einem der schönsten, flowigsten Trails, die ich je gefahren bin! Ultrageil! Einfach unglaublich. Und es geht so weiter. Dazwischen harte und steile, teils sehr, sehr steile Aufstiege. Und dann wieder so ein epischer Trail. Ich muss unbedingt hierher zurückkommen und das Ding nochmals fahren, mir einen Tag Zeit nehmen und die Landschaft und Natur geniessen, dazwischen gemütlich picknicken oder einkehren…

Vier Stunden vergehen wie im Flug, und wir befinden uns im letzten Aufstieg vor der finalen Abfahrt ins Ziel in Leukerbad. Jetzt hat Nico etwas Mühe, und ich habe noch gute Beine. Ich kann mich für seine Hilfe auf den letzten Kilometern gestern revanchieren und ziehe ihn zeitweise etwas. Dann endlich die dritte und letzte Verpflegungsstation. (Es hat deren übrigens immer drei üro Etappe, wobei die erste nur Verpflegung, die zweite und dritte auch technischen Support und Massagemöglichkeiten beinhalten.) Und nun ein letztes Mal für heute die Abfahrt geniessen und ins Ziel!
Heute werden wir es besser machen und gleich nach der Zieleinfahrt im Restaurant einen Teller Pasta essen, dann Hochenergetisches einkaufen und zum Zvieri gleich nochmal Pasta (ich Pizza) bunkern. Denn morgen wartet eine lange, harte Etappe nach Grächen auf uns, mit angekündigtem Regen und Temperatursturz!

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