Freitag, 24. Oktober, 2 Tage vor dem Wettkampf:

0515, es ist noch dunkel. Wir stehen am Strand mit etwa 40 weiteren XTERRA Athleten und ihren Angehörigen, die an der Hawaiianischen Zeremonie teilnehmen, einer Art Sonnenanbetung. Sehr spirituell, emotional und zugleich interessant.

Danach frühstücken und dann registrieren, um um 1000 auf die Bikestrecke zu gehen. Die Give-aways im Athletenbeutel sind übrigens sehr enttäuschend, wie auch die Präsenz von Herstellern an der Messe.

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Meine schlimmsten Befürchtungen treffen ein: Es ist eine riesige Schlammschlacht, nachdem es in der Nacht wieder geregnet hat. Oft dreht das Hinterrad durch und ich bin gezwungen, abzusteigen und zu schieben, was das ganze nicht einfacher oder weniger anstrengend macht. Es ist so glitschig, dass ich mich kaum auf den Beinen halten kann, und an den Schuhen sammelt sich bereis nach zwei Schritten soviel Schlamm an, dass die Cleats völlig zu sind und ich kaum mehr in die Klickpedale komme. Aber es kommt im wahrsten Sinne des Wortes noch dicker: Die Reifen nehmen so viel Dreck auf, dass sie bald blockieren und ich gezwungen bin, mit Ästen und dergleichen die riesigen Dreckklumpen zu entfernen. Ich darf gar nicht daran denken, dass ich zuhause in der Schweiz noch zwei Schlammreifen habe, die ich mangels Gelegenheit noch nie montiert habe! Hoffentlich trocknet der Parcours noch ab bis Sonntag, sonst gibt das ein Chaos!

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Aber den anderen auf der Strecke geht es nicht besser – ausser einem Malaysier, der Sachen bergauf fährt, bei denen ich schon lange abgestiegen bin!

Nach etwa 7 km führt die Strecke dann durch weniger dichte Vegetation, wo das Terrain deutlich weniger feucht ist und der Fahrspass aber auch die Hitze zunehmen. Die Sicht über die Zuckerrohrfelder hinab auf die Küste, das Meer und die Nachbarinseln ist atemberaubend. Ich bin froh, dass ich es jetzt mit Ruhe geniessen kann; im Rennen hätte ich kaum Kapazität, mir die Aussicht anzuschauen.

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Zwei lange High Speed Downhill Passagen werden auf diesem mittleren Teil des Parcours von einem langen, steilen Anstieg unterteilt. Ich bin seit Beginn so sehr mit Steuern, Schieben, Bremsen, Schalten Balancieren und Pedalieren beschäftigt, dass ich kaum Zeit und Gelegenheit finde, zu trinken. Der Bidon ist noch voll. Ich entscheide mich, am Rennen einen Trinkrucksack zu tragen. Wenn ich bei dieser Hitze nicht trinken kann, ist das der Tod!

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Die letzten 8 km der Bikestrecke verlaufen wieder im Wald und damit im Matsch. Es ist wieder ein ähnliches Auf-Ab-Links-Rechts wie zu Beginn und raubt mir die letzten Kräfte. Ich weiss nicht, ob es eine so gute Idee war, die ganze Strecke nur zwei Tage vor dem Tag X abzufahren. Tapering geht irgendwie anders. Ich kann mich beim Biken einfach nicht zurückhalten.

Es folgen 50 Minuten Bike Waschen. 🙁

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Am Abend findet das Champions Dinner statt. Ein Buffet für alle 824 Athleten in einem riesigen Pavillon. Das Essen ist erstaunlich gut – Ritz Carlton halt. Das Programm beinhaltet eine Hawaiianische Begrüssung, den Aufruf aller Nationen, der ältesten und jüngsten Athleten, den First-Timern, der Pros etc. Zu Wort kommen auch die Präsidentin und der Urvater des XTERRA (mit dem zusammen ich unbedingt ein Foto machen muss). Die Atmosphäre ist einzigartig; sehr unkonventionell, etwas ausgeflippt, ziemlich crazy und fast schrill und zugleich persönlich, ja familiär. Ganz anders, als ich Triathlon bisher je erlebt habe – erfrischend anders! Ein tolles Erlebnis.

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